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  • HAUPTMENÜ:

  • Wahrnehmung beim Musizieren

    Wenn der Lehrer Crossing Noises hört - und Du nicht...

    Wir bekommen soooo oft die Frage gestellt: "Was kann ich tun, wenn das Feedback meines Lehrers oder Judges Crossing Noises erwähnt, ich diese aber nicht höre, und (wenn ich nervös bin) sich meine Finger nicht so bewegen, wie sie sollen?"

    Bestimmt kennst Du das auch, oder? Du spielst, bist voll konzentriert, und plötzlich kommt Feedback vom Lehrer (oder von einem Judge): "Da sind Crossing Noises!" – und Du denkst Dir nur: "Häh? Ich hör da gar nichts..." Und als wäre das nicht genug, machen Deine Finger in stressigen Moment auch noch ihr eigenes Ding – das sind gleich zwei Baustellen auf einmal!

    Die große Frage dahinter lautet: Wie kann ich etwas verbessern, das ich selbst gar nicht wahrnehme? Klingt fast wie ein Rätsel, oder? Aber keine Sorge, die Lösung ist gar nicht so mysteriös...

    Bleiben wir beim Beispiel der Crossing Noises (das in diesem Artikel beschriebene Phänomen gilt übrigens für andere Fehler und Effekte genauso). Wenn Dein Lehrer oder ein Judge eine Crossing Noise hört, dann kannst Du sie auch hören – zumindest theoretisch. Denn am Ende geht es nur um Schallwellen. Reine Physik! Dein Instrument bringt die Luftmoleküle zum Schwingen, Deine Ohren nehmen diese Schwingungen wahr. Solange dein Gehör nicht massiv eingeschränkt ist, ist die Information da. Punkt.

    Das heißt: Es liegt nicht daran, dass die "Geräusche" der Crossing Noises nicht existieren – sondern nur daran, dass Du sie im Moment des Spielens nicht bewusst wahrnimmst. Und genau da setzt die Arbeit an.

    Der wahre Grund liegt nicht in deinen Ohren...

    Vielleicht klingt das Ganze auf den ersten Blick banal oder trivial – ist es aber nicht. Denn die eigentliche Antwort auf die Frage, warum Du Crossing Noises (oder auch schlechtes Tuning) nicht hörst, liegt NICHT in deinem Gehör, sondern im Fokus Deiner Wahrnehmung von dem, was da passiert.

    Eine Crossing Noise ist (wenn sie passiert) physikalisch immer da. Die Schallwellen verändern sich, egal ob Du sie bewusst wahrnimmst oder nicht. Ob Du sie tatsächlich hörst, hängt von mehreren Faktoren ab:

    Und genau deshalb kann dein Lehrer (oder Judge) sie hören – weil bei ihm alle diese Punkte (zumindest besser als bei Dir) erfüllt sind.

    ...sondern die Lösung liegt "dazwischen"

    Kennst Du das Gefühl, wenn Du in einem Lebensbereich einfach keine guten Vorbilder hattest? Menschen, die schlechte Entscheidungen treffen, oder sich schlecht verhalten, ohne es zu merken? Sehr ähnlich verhält es sich auch mit Crossing Noises [oder anderen Effekten wie Tuning]: Wenn Dir niemand richtig gezeigt hat, wann und warum sie entstehen – oder warum sie überhaupt unerwünscht sind (Du glaubst nicht, wie oft wir bei Crossing Noises hören: "das klingt doch cool") – dann fehlt Dir schlicht die Orientierung.

    Als Du die Scale-Navigation (also Griffpositionen und Notenwechsel) gelernt hast, waren Koordinationsfehler erstmal unvermeidlich. Crossing Noises waren die logische Folge davon. Vielleicht hattest Du damals niemanden, der Dir das sauber erklärt hat.

    Unser Robert selbst denkt dazu – als Gegenbeispiel am anderen Ende des Spektrums, nach mehreren Jahrzehnten als Piping-Lehrer – nach eigenen Aussagen inzwischen schon intuitiv in "Wahr­schein­lich­keiten". An bestimmten Stellen im Tune erwartet er regel­recht, dass Fehler wie z.B. Crossing Noises auftreten könnten. Er hält quasi aktiv Ausschau nach ihnen. Und genau das macht den Unterschied: Wer weiß, wo welche Fehler typischer­weise entstehen können, kann sie besser wahrnehmen. Gäbe es einen Effekt, der ihm nicht vertraut ist, würde Robert diesen vermutlich auch nicht gleich wahr­nehmen.

    Antwort (Teil 1): Zurück zu den Grundlagen

    Was kannst Du also tun, wenn Dir Crossing Noises zwar "attestiert" werden, Du sie selbst aber nicht hörst? Die Antwort ist eigentlich simpel: Zurück zu den Basics.

    Genau dafür gibt es unseren Kurs Scale-Navigation Basics. Dort frischst Du dein Verständnis, deine Wahr­nehmung und deine Inter­pretation von Crossing Noises auf – und lernst, sie gezielt zu erkennen und Schritt für Schritt zu eliminieren. Du lernst nicht nur unsere 3 Typen von Crossing Noises kennen, sondern auch sie (u.a. durch bewusstes Spielen) wahrzunehmen und dann strukturiert zu vermeiden. Mit den digitalen Lernkarten kannst Du dein Wissen dann auch spielerisch festigen.

    Viele Piper übersehen übrigens, dass das eigentliche Problem, das zur Entstehung von Crossing Noises führt, oft gar nicht die Fingertechnik ist. Die Wurzel liegt in schlechtem Rhythmus und Timing. Ein gutes Rhythmusgefühl ist wie ein Geheimtrick, um Crossing Noises zu vermeiden. Dafür ist unser Kurs Basis-Rhythmus & Notenlesen genau das Richtige 😉

    Und vergiss nicht: Dieses grundlegende Prinzip gilt nicht nur für Crossing Noises. Du kannst nur das verbessern, was Du auch wahrnimmst – sei es Gracenotes, Embellishments oder Tuning...

    Bonus-Tipp: Nimm Dich selbst auf!

    Ein viel zu unterschätzter Tipp, der daher auch viel zu selten genutzt wird: Nimm Dich selbst auf. Klingt banal, ist aber Gold wert. Denn so kannst Du dich nach der Performance ganz bewusst auf bestimmte Aspekte konzentrieren – zum Beispiel Crossing Noises – statt während des Spielens alles gleichzeitig im Blick haben zu müssen. Das bringt DICH in die Rolle des Bewertenden, d.h. Du kannst dich NACH der Performance auf einzelne Aspekte fokussieren. Das entlastet Deine Konzentrations-Bandbreite und macht dein Training effektiver. In einem anderen Artikel gehen wir darauf bereits sehr detailliert ein.

    Gerade im Competition-Kontext ist das ein echter Gamechanger: Du kombinierst das Feedback des Judges mit deiner Aufnahme – und kannst im Nachhinein mit genau der bewerteten Performance vergleichen und direkt nachvollziehen, was auf dem Feedback-Sheet steht und wie es gemeint war.

    Antwort (Teil 2): Wenn die Finger nicht mitspielen

    Und jetzt zum zweiten Teil der Frage: "Meine Finger tun nicht, was sie sollen, wenn ich nervös bin..." – Willkommen im Club! Das passiert wirklich jedem. Nervosität wirkt wie ein zusätzliches Limit deiner Konzentrations-Bandbreite. Genau deshalb werden zwei Themen besonders wichtig: Routine und Mindset:

    Routine - dein Muskel­gedächtnis als Rettungs­anker

    Unter Stress leiden beim Spielen oft auch physische Aspekte, allem voran unsere Feinmotorik. Bewegungen, die noch nicht tief genug ins Muskel­gedächtnis eingebrannt sind, brechen als erstes weg. Deshalb ist es entscheidend, dass Du deine Übungsroutine nicht wie ein "Malen nach Zahlen"-Schema gestaltest, sondern die grund­legenden Bewegungs­prinzipien wirklich verinnerlichst.
    Im Kurs Single Gracenotes gehen wir übrigens ausführlich auf den Unterschied zwischen Grob- und Feinmotorik beim Pipen ein. Das Ziel ist: Noten­wechsel, Grace­notes und Embellishments nicht nur "bewusst kompetent" spielen zu können, sondern so sicher, dass sie auch unter Druck abrufbar sind. Denn wenn Du in der Performance auf Dein "unterbewusst inkompetentes Level" zurückfällst, bringt Dir die ganze Theorie nichts. Die gute Nachricht ist aber: Je tiefer Du die Grundlagen verinnerlichst, desto weniger hat Nervosität überhaupt eine Chance.

    Mindset - Nervosität als Energie­quelle

    Die zweite Seite der Medaille ist Dein Mindset, also der mentale und unter­bewusste Aspekt des Phänomens. Nervosität ist nicht dein Feind – sie ist Energie. Es kommt darauf an, wie Du mit dieser Energie umgehst. Viele Profi-Musiker haben gelernt, diese Energie FÜR sich zu nutzen. Der Schlüssel dazu liegt im Selbstwert: Wenn Du dir deiner Fähigkeiten bewusst bist und Vertrauen in Dein Können hast, verwandelt sich Nervosität von einem Störfaktor in einen Antrieb!

    Subjektive VS objektive Wahrnehmung

    Und übrigens ganz nebenbei bemerkt: das Ganze erinnert mich an die ebenso oft gehörte (aber falsche) Behauptung: "Ich kann nicht hören, wenn mein Instrument nicht stimmt." → Doch, klar kannst Du das! Die Schwingungen sind da, die Physik macht ihren Job – die Frage ist nur, ob Du deine Ohren darauf trainierst, und die richtige Strategie anwendest, um es auch wirklich wahrzunehmen.

    Ein spannender Punkt im musikalischen Lernen (und übrigens im Alltag ebenso) ist der Unterschied zwischen subjektiver und objektiver Wahr­nehmung. Subjektiv nimmst Du deine Performance (bzw. dein Verhalten) immer durch den Filter deines eigenen Fokus und deiner Emotionen wahr. Objektiv hingegen hören andere oft mehr, da sie andere (oder ggf. auch keine) Filter haben.

    Und genau hier liegt die Heraus­forderung: Nur wenn Du deine Wahr­nehmung trainierst, kannst Du eventuelle Lücken zwischen subjektivem Empfinden und objektiver Realität schließen. Eine gute Strategie besteht darin, bewusst Feedback von außen (Lehrer, Auf­nahmen, Wett­bewerbe mit Feed­back) mit deiner eigenen Wahrnehmung abzugleichen. So lernst Du Schritt für Schritt, deine Ohren zu schärfen und deine Interpretation der Klänge näher an die objektive Realität heranzuführen. Bedenke für die Umsetzung auch immer den buddhistischen Grundsatz: Wahrnehmung verpflichtet zur Handlung!

    Fazit... und der Weg nach vorne...

    Performance-Nervs

    Damit haben wir alle Teile der ursprünglichen Frage beantwortet:

    1. Schaue Dir das grundlegende Fundament an (in diesem Beispiel die Physik) und schließe ggf. für das Phänomen unrelevante Aspekte aus
    2. Crossing Noises (und artverwandte Fehler) kannst Du nur beheben, wenn Du sie auch wahrnimmst
    3. Nervosität ist normal, aber mit solider Routine und einem starken Mindset wird sie zu Deinem Verbündeten

    So entsteht ein klarer Weg: Zurück zu den Grundlagen, trainiere bewusst (und nicht nur nach Schema F), nimm Dich selbst auf, und entfessle Deinen Selbstwert mit einem starken Mindset. Dann bist Du bestens gerüstet: Du entwickelst ein gutes Gehör, sicheres Verständnis und verlässliche Strategien, die Dich nicht nur im Unterricht, sondern auch auf der Bühne oder im Wettbewerb tragen – und Deine musikalische Entwicklung nachhaltig beschleunigen, auf dem Weg zur musikalischen Freiheit!

    Autor: Robert Reibl (18.01.2026) [inspiriert von Andrew Douglas]

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